Eingeschneiter Busch an der Saale

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Jahresrückblick 2023 der Abteilung Didaktik der Fakultät für Mathematik und Informatik
Eingeschneiter Busch an der Saale
Foto: privat
  • Mathematik

Meldung vom: | Verfasser/in: Abteilung Didaktik der FMI
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Mit dem Jahr 2023 hat sich die Abteilung Didaktik der Fakultät für Mathematik und Informatik erfreulich weiterentwickelt. Der Jahresrückblick ist eine willkommene Gelegenheit, um unsere Aktivitäten in Forschung, Lehre und Transfer zu bilanzieren und Ihnen einen Einblick in unsere Tätigkeiten zu geben. 

Die größte Änderung in diesem Jahr betraf die personelle Entwicklung. Zum einen konnten wir mit Prof. Dr. Michael Rücker im September endlich die Informatikdidaktik wieder professoral besetzen. Nach seinem Referendariat forschte er in seiner Post-Doc-Phase an der HU Berlin zur Kompetenzmodellierung. Wir danken nochmals Dr. Fabian Graap, der die Professur interimsweise in der Lehre vertreten hatte. Neu im Team begrüßten wir Juliane Sperling. Sie hat in Jena das Lehramtsstudium für Gymnasien mit den Fächern Informatik und Geographie abgeschlossen und uns bereits im letzten Jahr unterstützt. Kurzfristig verzichten mussten wir auf Dr. Constanze Schadl , die im Sommersemester als Vertretungsprofessorin für Mathematik und die Didaktik der Mathematik an der PH Ludwigsburg tätig war, jetzt aber zum Glück wieder zurück in Jena ist. Wir sind übrigens immer auf der Suche nach Personen, die an einer Tätigkeit im Bereich der Informatik- und/oder Mathematikdidaktik interessiert sind. Aktuell suchen wir zum Beispiel noch eine abgeordnete Lehrkraft für Mathematik (Teilzeit). Kontaktieren Sie uns gerne initiativ unter informatikdidaktik@uni-jena.de oder mathematikdidaktik@uni-jena.de.

Verschiedene Forschungsergebnisse der Abteilung Didaktik konnten im letzten Jahr publiziert und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Zu den Highlights der Arbeitsgruppe Mathematikdidaktik zählen das LiteraturreviewExterner Link von Carina Albu und Prof. Dr. Anke Lindmeier zu performanzbasierten Assessments in der Lehrkräfteausbildung. Das zugehörige Projekt PerformA ist in diesem Sommer in die nächste Phase gewechselt, sodass mittlerweile zahlreiche Studierende die Möglichkeit hatten, in unseren Micro-Unterrichtssimulationen ihr Wissen und Können zu erproben. Im Rahmen des Arbeitskreis Psychologie und Mathematikdidaktik der GDMExterner Link berichtete Carina Albu bereits über die Instrumentenentwicklung sowie erste Ergebnisse (Originalbeitrag).
Neue Beiträge gibt es auch zu interkulturellen Perspektiven auf Mathematikunterricht aus dem TaiGer Noticing ProjektJosephine Paul und Prof. Dr. Anke Lindmeier haben beispielsweise zusammen mit den Kooperationspartnerinnen Prof. Dr. Anika DreherExterner Link (Freiburg), Prof. Dr. Ting-Ying WangExterner Link (Taipeh, Taiwan) und Prof. Dr. Feng-Jui Hsieh Externer Link(Taipeh, Taiwan) einen Artikel im Special Issue zum Thema "Normen beim Lehren und Lernen von Mathematik" des Journals für MathematikdidaktikExterner Link platziert. Der Artikel, in dem verschiedene Perspektiven von MathematikdidaktikerInnen aus Deutschland und Taiwan in Bezug auf den Unterrichtsqualitätsaspekt Einsatz von Aufgaben im Mathematikunterricht thematisiert werden, wird im kommenden Jahr publiziert.
Dr. Constanze Schadl veröffentlichte in den hochrangigen Zeitschriften Journal of Educational Psychology (Link zum Beitrag)Externer Link und Child Development (Link zum Beitrag)Externer Link je einen Artikel. Damit erreichte sie internationale Sichtbarkeit für die methodisch innovativen Modellierungen von Lernvorausetzungen und -ergebnissen im für Schüler:innen besonders fehleranfälligen, aber für das weitere Mathematiklernen wichtigen Bereich der Bruchrechnung.
Auch im Themenfeld der digitalen Kompetenzen von Mathematiklehrkräften sind wir gut vorangekommen. Das Projekt DIKOMAL (Digitale Kompetenzen von Mathematiklehrkräften, Hannes Seifert, Prof. Dr. Anke Lindmeier) zur Konzeption eines performanzbasierten Kompetenztests für Lehramtsstudierende befindet sich gerade in einer Phase, in der Daten ausgewertet und die Erkenntnisse zur Publikation aufbereitet werden. In THINKI-LA  hat Rouven Pankrath die Delphi-Studie zur Frage, welche digitalen Kompetenzen angehende Lehrkräfte idealerweise bereits im Studium erwerben sollen, abgeschlossen und sitzt ebenfalls an der Verschriftlichung der Ergebnisse.  Mit KollegInnen der LMU München (Prof. Dr. Stefan Ufer, Timo Kosiol)Externer Link und der Universität zu Köln (Prof. Dr. Benjamin Rott, Peter Gonscherowski)Externer Link, die zu ähnlichen Themen arbeiten, haben wir eine Zukunftsstudie zu digitalen Kompetenzen von Mathematiklehrkräften durchgeführt und drücken die Daumen, dass diese bald veröffentlicht wird.
Neu angeschoben haben wir in der Mathematikdidaktik weitere spannende Kooperationen in unserem Schwerpunktbereich zur Lehrkräfteprofessionalität. Beispielsweise führen wir im Projekt kyMA (know your MATH) erstmals verschiedene fachspezifische Perspektiven zusammen, indem wir mit WissenschaftlerInnen der Universität Potsdam (Prof. Dr. Sebastian Geisler)Externer Link und der OvGU Magdeburg (Katrin Förtsch und Prof. Dr. Stefanie Rach)Externer Link zusammen arbeiten.
Die Arbeitsgruppe Didaktik der Informatik forscht schwerpunktmäßig zu kompetenzorientiertem Informatikunterricht an der Schnittstelle von Informatik und Gesellschaft. Dabei interessiert uns, was SchülerInnen in Bezug auf gesellschaftliche Aus- und Wechselwirkungen der Informatik wissen und können sollen (Kompetenzmodellierung) und wie Informatikunterricht gestaltet werden kann, der diese Ziele fördert (Interventionsdesign). Eng damit verbunden ist ein Interesse an lebensweltorientierten Lehr-Lern-Kontexten und deren Einfluss auf fachbezogene Lernprozesse.
Auf unseren Unterseiten zur Forschung in der Abteilung Didaktik halten wir Sie immer auf dem Laufenden. Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme an Forschungsprojekten haben oder über neue Publikationen informiert werden möchten, schreiben Sie uns gerne eine informelle Email an mathematikdidaktik@uni-jena.de oder informatikdidaktik@uni-jena.de. Mal schauen, ob unser Team beim Firmenlauf im nächsten Jahr genauso vorne mit dabei ist wie in der fachdidaktischen Forschung!

Auch in Bezug auf wissenschaftliche Tagungen war 2023 ein interessantes Jahr. National wie international unsere Arbeiten vorzustellen, mit ExpertInnen aus demselben oder auch benachbarten wissenschaftlichen Bereichen zu diskutieren, hilft uns, um die eigenen Sichtweisen zu schärfen. In der Mathematikdidaktik führten Forschungsreisen in diesem Jahr wieder zur Tagung der International Group for Psychology in Mathematics Education (PME) , die im Juli im israelischen Haifa statttand (siehe Bericht). Das Team der Didaktik der Informatik konnte auf der GI-Fachtagung INFOSExterner Link in Würzburg eigene Beiträge vorstellen und in den Austausch über aktuelle Themen der Didaktik der Informatik kommen (siehe Bericht). Prof. Rücker stellte zudem auf der WIPSCEExterner Link, die in diesem Jahr in Cambridge stattfand, Ergebnisse seiner Forschung vor.
Ein weiteres Highlight in diesem Jahr war zudem ein Taiwan-Aufenthalt im Mai. Die Doktorandin Josephine Paul hatte die Möglichkeit, Prof. Lindmeier auf einer Forschungsreise zu den Kooperationspartnerinnen (Ting-Ying Wang und Feng-Jui Hsieh) aus dem TaiGer Noticing Projekt zu begleiten. Ziel der Reise waren Abstimmungsarbeiten zum gemeinsamen Projekt, etwa die Besprechung künftiger Publikationen, aber auch der Ausbau der Vernetzung zwischen deutschen und taiwanesischen WissenschaftlerInnen. Prof. Lindmeier hielt in diesem Rahmen zwei gutbesuchte Vorträge an der National Taiwan Normal University, die unsere Arbeiten portraitierten.
Mit den nationalen und internationalen Entwicklungen halten wir auch durch den Besuch zahlreicher kleinerer Workshops und Arbeitstreffen Schritt. Beispielsweise stellte Hannes Seifert Ergebnisse aus dem Projekt DIKOMAL auf der Herbsttagung des AK Mathematikunterricht und digitale Werkzeuge der GDM an der PH Freiburg vor. Die Herbsttagung des AK Psychologie und Mathematikdidaktik der GDMExterner Link haben wir in diesem Jahr sogar direkt in Jena ausgerichtet und durften zahlreiche Gäste empfangen (siehe Bericht).
Zu den persönlichen Vortrags-Highlights von Prof. Lindmeier zählte, dass sie sich mit der Antrittsvorlesung am 13. Januar 2023, dem Tag der Fakultät, mit fast dreijähriger Verzögerung endlich offiziell mit ihren Forschungsthemen vorstellen durfte. Einige Kolleg:innen fanden das möglicherweise zum Schmunzeln, denn sie ist über zahlreiche Gremien bereits fest in der Fakultät verankert. Der Vortrag mit dem Titel "Was zeichnet gute Mathematiklehrkräfte aus? Einblicke in die mathematikdidaktische Forschung zur Professionalität von Lehrkräften" traf den Nerv der Zeit, beeindruckte mit der Breite des Forschungsprogramms und konnte Denkanstöße vermitteln.
Durch die Organisation des Netzwerks mitteldeutscher Mathematikdidaktiken (mdMD) unterstützen wir von Jena aus den interregionalen Austausch in der mathematikdidaktischen Forschung. Im Jahr 2023 konnten wir zwei Netzwerktreffen realisieren. Im Mai widmeten wir uns in einer virtuellen Sitzung der Einbeziehung von Medien in die mathematikdidaktische Lehre. Vielen Dank an die Kolleg:innen in Erfurt, die diesen Termin gestaltet haben. Im Juni haben wir uns dann - zum ersten Mal seitdem das Netzwerk 2020 ins Leben gerufen wurde - in Präsenz getroffen: Zwei Tage widmeten wir uns in Jena den prägenden theoretischen Grundlagen der Forschung zum Lehren und Lernen von Mathematik in der DDR, wofür wir mit Prof. Dr. Regina BruderExterner Link (ehemals TU Darmstadt) und Dr. Heiko EtzoldExterner Link (Uni Potsdam) zwei ausgewiesene Referierende gewinnen konnten. Das Thema machte Lust darauf, teils vergessene Quellen wieder zu konsultieren und im Lichte neuer Theorien wiederzuentdecken.

Im Bereich Lehre haben wir 2023 weiter unser Ziel verfolgt, die Studierende bestmöglich auf Ihrem Weg durch das Studium hin zu einer kompetenten Informatik- oder Mathematiklehrkraft zu begleiten. Dabei freuen wir uns, dass wir in den Lehrveranstaltungen kritisch-konstruktiven, offenen Studierenden begegnen, die trotz des medial nicht immer optimal verhandelten Diskurses rund um Lehrkräfte- und Bildungsdefizite in Deutschland Lehrkraft werden möchten. Es stimmt uns zuversichtlich, dass in der Regel die optimistische Stimmung überwiegt, auch wenn Sorgen um das zukünftige Berufsleben immer häufiger ausgesprochen werden. Vielleicht ist das aber auch gut so, zeigt es doch, dass unsere Studierenden sich bewusst für den gesellschaftlich wichtigen Beruf der Lehrkraft entscheiden. Wir möchten sie auf diesem Weg unterstützen und bestärken. Besonders die Studieneingangsphase ist im MINT-Bereich allgemein als kritische Phase bekannt, weswegen wir hier besonders intensiv in das Gespräch mit den Studierenden treten. Informationsangebote der Didaktik in Zusammenarbeit mit den Fachschaftsräten - etwa zum Thema "How to survive your first semester" - sind ein wichtiger Baustein, die beispielsweise durch durchgängige Angebote der Fakultät, wie das Peer-Tutoring in Studierendencafés, ergänzt werden. Unser gesamtes Team ist übrigens immer ansprechbar bei individuellen Studienberatungsbedarfen und wir konnten gerade bei Phasen des Zweifels schon oft weiterhelfen - und wenn es nur darum geht, eine noch passendere Ansprechperson zu vermitteln.
Übrigens: Im Jahr 2023 haben zehn Studierende ihre Abschlussarbeiten in der Abteilung Didaktik erfolgreich angefertigt. Herzlichen Glückwunsch! Neben neun Wissenschaftlichen Hausarbeiten im Lehramtsstudium gehörte dazu auch eine Informatik-Masterabschlussarbeit, für die wir eine Problemstellung formulierten. Viele der Arbeiten schlossen wieder eng an aktuelle Forschungsarbeiten an und sind damit ein Baustein, der die Einheit von Forschung und Lehre in unserem Bereich verkörpert.

Den Lehrgang zur Unterrichtserlaubnis Informatik, den wir in Kooperation mit dem ThILLM (Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien) durchführen, haben wir in diesem Jahr neu aufgelegt und 18 Absolvent:innen aus dem Schuljahr 2022/23 verabschiedet. Insgesamt konnten wir damit in den letzten zwei Jahren schon 46 thüringische Lehrerinnen und Lehrer, die bereits im Schuldienst waren, beim Erwerb einer fachlichen Grundqualifikation für den Informatikunterricht in der Sekundarstufe unterstützen. Die Unterrichtserlaubnis ist eine Maßnahme, die die Abteilung Didaktik zusammen mit dem Institut für Informatik in Kooperation mit dem ThILLM durchführt, um zur Abmilderung der Qualifikationslücke von Lehrkräften für das Unterrichtsfach Informatik beizutragen.

Neben solchen etablierten Konstanten gibt es jedoch immer auch reichlich Bewegung an der Uni Jena. Bereits im Jahr 2022 hat uns die Reform der Lehramtsstudiengänge beschäftigt. Wir haben in diesem Jahr unsere Hausaufgaben erledigt und für das Regelschullehramt universitätsintern alle Weichen für ein grundlegend modernisiertes Studium gelegt, was bei 18 beteiligten Fächern und zusätzlich dn Erziehungswissenschaften kein Pappenstiel war. Die Implementation der Reform war ab diesem Zeitpunkt von den Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen im Land Thüringen abhängig, so dass es spannend blieb. Die verantwortlichen PolitikerInnen im Landtag waren sich jedoch ihrer Verantwortung bewusst und haben durch den Landtagsbeschluss zur Anpassung der Rahmenbedingungen in letzter Minute, am 20.12.23 den Weg zum neuen Studiengang für die angehenden Regelschul-Lehrkräften im Land geebnet.
Spannend bleibt es auch an anderen Fronten. Zu erwähnen ist definitiv die klamme Haushaltslage, die uns zu merklichen Stellenkürzungen und Sparmaßnahmen in allen Bereichen zwingt. Gleichzeitig erleben wir massive, arbeitsintensive Umstellungen rund um die digitale Verwaltung. Für 2024 bleibt hier vor allem die Hoffnung, dass Prozesse wieder glatt gezogen werden und sich das Frustpotential auf allen Seiten in einer modernen Verwaltungsstruktur auflöst, so das wieder volle Konzentration für die Kernthemen Forschung und Lehre möglich wird.

Der Ausblick auf 2024 verspricht ein weiteres kurzweiliges Jahr, und sie werden als Lehrkraft oder Schülerin oder Schüler wieder zahlreiche Möglichkeiten haben, uns kennenzulernen. Der Bundeskongress des MNU (Verband für mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht) findet beispielsweise vom 24. bis 28. März 2024 in JenaExterner Link statt. Neben Workshops und Vorträgen, welche wir zu diesem Kongress beisteueren, freuen wir uns auf den intensiven Austausch mit praktizierenden Lehrkräften. Wir halten Sie über weitere Veranstaltungen hier unter Aktuelles auf dem Laufenden. 

Ohne dem großen Team in und hinter der Abteilung Didaktik wäre das Jahr 2023 undenkbar gewesen. Wir danken besonders den Personen, die häufig nicht in Erscheinung treten: den studentischen Hilfskräften, ohne die wir unsere Aufgaben in Forschung und Lehre nicht in dem Umfang und nicht in der Qualität leisten könnten. Ihr seid toll. Zudem gilt unser Dank den abgeordneten Lehrkräften, die für die Theorie-Praxis-Verknüfung im Praxissemester stehen. Und natürlich allen Personen, die bei unseren Forschungsarbeiten involviert sind - sei es als Versuchspersonen, ExpertInnen, HerausgeberInnen, Peer-ReviewerInnen* - oder unsere Arbeit anderweitig unterstützen und begleiten. Dazu gehören Kolleginnen und Kollegen an anderen Universitäten genauso wie Lehrkräfte an Schulen oder Personen der Bildungsadministration. Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein fröhliches Weihnachtsfest sowie einen guten Start ins neue Jahr 2024.

Achten Sie auf sich und bleiben Sie gesund!

* Ausgenommen: ReviewerIn 2